Leon und die Trolle

Eine gefühlte Ewigkeit ist es nun her, dass die Kinder von Suhl gemeinsam den Bann des Griesgrams gebrochen und den Drachen gezähmt haben. Dem Drachen geht es gut, der lebt jetzt im Rathaus und wird zu später Stunde Gassi geführt. Ist ja immerhin noch ein Drache und Menschen fürchten sich vor Drachen; besonders die Erwachsenen.

Vielleicht wisst ihr es ja noch, der Griesgram hatte damals den Trollen und vielen Kindern ihre Erinnerungen geraubt und nur mit letzter Mühe und vereinten Kräften gelang es den Kindern, die gemeinsam erlebten Abenteuer zu retten. Zusammengetragen im großen Buch der Trolle konnten sie nun für alle Zeiten erhalten werden.
Manchmal ist es einfach nötig, zusammenzukommen und Erlebtes aufzufrischen. Gerade in schwierigen Zeiten sollte man das machen und die Kinder hatten den Eindruck, dass die Zeiten gerade besonders schwierig waren. Also versammelten sie sich endlich wieder auf dem großen Platz vor dem großen Rathaus. Ein kleines Fest sollte es werden und Spaß sollte es machen. Auch die Hexe und die Trolle wurden eingeladen, sogar der Drache durfte raus. Als es anfing dunkel zu werden, baten die Kinder den alten Troll, eine Geschichte aus dem großen Buch vorzulesen. Der Alte ließ sich nicht lange bitten, rief das Buch zu sich als plötzlich…

erst leuchtender Nebel erschien und dann das gesamte Buch in gleißendes Licht getaucht wurde. Irgendwie wussten alle sofort; es geht wieder los! Der Deckel öffnete sich und Leon, der kleine Waschbär sprang auf den Marktplatz. Nun fragt ihr euch sicherlich, warum ein Waschbär ausgerechnet Leon heißt. Das ist ganz einfach; seine Eltern wünschten sich einen großen, starken und mächtigen Sohn. So groß und stark und mächtig wie ein Löwe. Waschbär Leon allerdings war glücklich, so wie er war. Leon war gerne ein kleiner Waschbär! Und Leon war sehr aufgeregt Manche erzählten später, sie hätten in diesem Moment das schrille Lachen des Griesgrams gehört. Aber der Reihe nach!

Leon erzählte dem alten Troll, was er im großen Buch erfahren hatte: Der Griesgram hat einen Zauber erfunden, der es ihm möglich machen sollte, die guten Eigenschaften, die jedem Zauberwaldbewohner zu eigen sind, zu stehlen und so ins Gegenteil umzukehren. Er hat sich gerade auf die Suche nach den Bewohnern gemacht um seinen Zauber auszuprobieren. Es war also höchste Eile geboten! Leon war ein guter Spurenleser und versprach, dass er den Griesgram aufspüren konnte. Also machten sich die Kinder auf den Weg ins Ungewisse. Aus Sorge um die Kleinen beschloss der Troll, die Gruppe anzuführen und zu Beschützen.

Aufgeregt sprang Leon hin und her, bat die Kinder, ihm zu folgen und flitzte los. Kurze Zeit später trafen sie den alten Fuchs wieder, der sie schon auf ihrem letzten Abenteuer begleitete. Er saß auf einer großen Treppe und schaute irgendwie seltsam aus. Man konnte fast meinen, er glotzte dümmlich vor sich her. Ein Fuchs gilt als besonders schlau und auf keinen Fall als dümmlich oder gar dumm. Hier stimmte was nicht und natürlich war allen schnell klar, was passiert war. Der Griesgram war schon da und sein Zauber zeigte tatsächlich Wirkung. Der Griesgram hat dem Fuchs seine Schläue genommen, der wusste kaum noch, wer er selber war. Nun hat Leon aber mitbekommen, dass der Griesgram nicht in der Lage war, seine gesamte Beute mitzunehmen, der war ja in Wirklichkeit nur ein kleiner, schwacher Wicht. Also bestand Hoffnung, dass die Schläue des Fuchses irgendwo versteckt sein konnte. Einige Kinder setzten sich zu dem Fuchs und Versuchten, mehr zu erfahren. Leon und die anderen Kinder suchten die nähere Umgebung ab und fanden nach einiger Zeit tatsächlich eine kleine Truhe, die an einem Baum befestigt war und so gar nicht dorthin gehörte. Die Truhe hing nicht besonders hoch und ließ sich auch ganz leicht öffnen. Kurz dachten die Kinder, dass der Griesgram es ihnen doch nicht so leicht machen würde, aber der alte Troll erklärte ihnen, dass sich der Griesgram schon oft zu sicher fühlte. Also schauten sie hinein und fanden dort eine 1-Euromünze und dachten, dass sie auf der falschen Fährte waren. Aber als der Troll sich die Münze zeigen ließ, erkannte er darauf eine Eule. Die Eule war das Symbol für Klugheit und Weisheit. Also übergab er dem Fuchs die Münze, dessen Blick sich direkt klärte. Er schaute sich kurz um, berichtete den Kindern, dass er eigentlich seine Frau im Krankenhaus besuchen wollte, die sich beim Wäscheaufhängen das Bein gebrochen hatte. Nachdem die Kinder berichteten, auf was für einer gefährlichen Reise sie sich befanden, erklärte er sich spontan bereit, sie zu begleiten. Um seine Frau wurde sich ja auch so gut gekümmert und vielleicht konnte er ja so einem weiteren Zank aus dem Weg gehen. Die duftenden Kräuter, die als Geschenk für seine Frau gedacht waren, schenkte er aus Dankbarkeit den Kindern, die versprachen, gut darauf aufzupassen.

Da Leon, der Waschbär immer ungeduldiger wurde und zur Eile mahnte, machten sich alle schnell wieder auf den Weg. Die Gruppe hatte nicht weit zu gehen, als sie an einen wunderschönen Brunnen kamen, der der Jagdgöttin Diana gewidmet war. Als sie um den Brunnen gingen um ich zu bewundern, trafen sie ein mürrisches, grummeliges Einhorn. Das war so mürrisch und grummelig, wie es der Fuchs in seinen besten Tagen nicht war. Da ja jeder weiß, dass Einhörner eigentlich gar nicht schlecht gelaunt sein können und die freundlichsten Wesen sind, die man kennt, war sofort klar, wer wieder seine Hand im Spiel hatte. Der Griesgram hat dem Einhorn seine Güte geraubt! Sofort machten sich alle auf die Suche und fanden glücklicherweise auch bald eine kleine Truhe an einem Baum. Die Kinder fanden eine magisch anmutende Kugel, die in allen Farben des Regenbogens schimmerte und sie wussten, dass es sich nur um die Güte des Einhorns handeln konnte. So übergaben sie dem Einhorn die Kugel, welches diese dankbar an sich nahm, sofort sein herzlichstes Lächeln aufsetzte und sich überschwänglich für seine Boshaftigkeit entschuldigte. Aus Dankbarkeit schenkte es den Kindern ein winziges Stückchen vom Regenbogen und bot seinen Schutz für die weitere Reise an.

Auch wenn die Kinder gerne noch geblieben wären, trieb sie Leon schon wieder an und so nahmen sie die Verfolgung des Griesgrams erneut auf. Ein kleines Stück hatten sie nur zu gehen, als sie an einen seltsamen Ort gelangten. Es war eine Art Tunnel, in wunderschönes Licht getaucht und mit einer magischen Aura umgeben. Alle waren sich einig, dass ihr Weg durch diesen Tunnel führen musste und so liefen sie auch gleich los. Nur der Fuchs wirkte unsicher und nachdenklich. Er bat die Kinder kurz zu warten, damit er sich mit den restlichen Zauberwaldbewohnern beraten konnte. Leon betrat vorsichtig den Tunnel, schnupperte in jedem Winkel, fand aber keinen Hinweis auf den Griesgram. Er war sich sicher, dass dieser einen anderen Weg genommen hatte und es sich bei dem Tunnel um eine Falle handeln musste. Manche Kinder berichteten hinterher, dass sie in diesem Moment ein wütendes Schnauben gehört hätten. Widerstrebend folgten alle dem Waschbären und ließen den magischen Tunnel hinter sich. Bevor alle anfingen sich zu ärgern, lief ihnen auch schon ein völlig verwirrter, riesiger Hase über den Weg. Nun war klar, dass sie sich noch auf dem richtigen Weg befanden.

Der Hase war nicht nur verwirrt, er war regelrecht durch den Wind. Kopfschütteln und vor sich hin plappernd lief er ständig hin und her und kreuz und quer. Dabei knabberte er abwesend an eine Möhre herum. Mit einiger Mühe gelang es dem alten Troll in zu beruhigen und zu fragen was denn sein Problem war. Tatsächlich wusste er, wer er war und er wusste auch, wo er war. Was er aber nicht wusste, war, wann er war! Für einen Hasen ist nichts wichtiger als der richtige Zeitpunkt. Ein Hase muss essen, kann aber auch schnell selber zum Essen werden. Deshalb muss er immer den richtigen Zeitpunkt erkennen, wann er flüchten muss. Und das geht nicht, wenn man die Zeit verloren hat. Natürlich wussten die Kinder inzwischen, was zu tun war. Alle suchten nach einer weiteren kleinen Truhe und übersahen dabei fast eine Uhr, die in einer Ecke stand. Die Uhr sah irgendwie seltsam aus, völlig durcheinander, aber sie lief, die Zeiger wanderten. Also versuchten sie ihr Glück und siehe da, der Hase war wieder Herr über sich und über die Zeit. Dankbar über seine Rettung schloss er sich den Kindern Möhren mümmelnd ebenfalls an. Wieder war es Leon, der Waschbär, der zur Eile mahnte.

Ein Stück Weg hatten zu gehen, als sie in den großen Park gelangten, mit dem die meisten von Ihnen gemischte Gefühle verbanden. Hier hatten sie dem Griesgram ein Schnippchen geschlagen, hier wurden sie fast vom großen Drachen verschlungen, den sie am Ende aber bezwingen und auf ihre Seite ziehen konnten. Nichts erinnerte mehr an den großen Kampf, alles wirkte friedlich und fast gemütlich. Der Grund hierfür zeigte sich bald in Gestalt der alten Hexe, die diesen Ort nun für sich beanspruchte und hier eine Hexentanzschule betrieb. Sie lud die Kinder ein, kurz zu verweilen und ihr den Grund der Reise zu verraten. Nachdem sie vernommen hatte, dass es mal wieder dem Griesgram an den Kragen ging, war sie sofort bereit zu helfen. Nach all den Strapazen sollten die Kinder etwas zur Ruhe kriegen und bei Gesang und Tanz auf fröhliche Gedanken kommen. Leon passte das zwar überhaupt nicht, aber er sah ein, dass die Hexe recht hatte. Außerdem konnte ihr Wissen noch von großem Nutzen sein. Also verweilten sie einen Moment, hatten Spaß miteinander und merkten dabei überhaupt nicht, wie neue Kraft in sie strömte. Die Hexe konnte es also immer noch! Gestärkt und gut gelaunt wollten sie wieder starten, als sie merkten, dass keiner der Trolle, die sie begleiteten, noch bei ihnen war. Schnell war klar, wer hier wieder seine Hand im Spiel hatte. Leon nahm die Fährte wieder auf und schnell gingen sie weiter. Die Hexe machte sich große Vorwürfe und versprach zu helfen, so gut sie nur konnte.

Sie verließen den Park, überquerten eine Straße und gingen eine große Treppe hinab, die sie an einen Teich führte. Einige erinnerten sich, dass sie bei ihrem letzten Abenteuer an diesem Teich einen kleinen Troll befreiten. Sie suchten den Ort von damals wieder auf und fanden auch wirklich denselben kleinen Troll an demselben Ort wieder. Der Troll benahm sich völlig normal und erzählte den Kindern, dass er kurz benommen war und sich dann an diesem Ort wiederfand. Alles schien in Ordnung, nur kam er nicht mehr von der Stelle. Er war irgendwie mit dem Baum verwachsen, unter dem er stand. Kinder, Hexe und Zauberwaldbewohner grübelten gemeinsam, was geschehen sein konnte. Dem Fuchs kam dann die Idee, dass der Griesgram den Trollen vielleicht ihre Freiheit genommen hatte, die sie sich vor langer Zeit mit Hilfe der Kinder zurückerobert hatten. Die Trolle liebten nichts so sehr wie ihre Freiheit und die Toleranz, mit der ihnen seit jener Zeit begegnet wurde. Der Troll war noch nicht sehr mit dem Baum verwachsen und die Hexe versuchte den Bann mit einem Zauberspruch zu brechen. Ihre Macht reichte dafür aber leider nicht aus und so bat sie die Kinder, mit ihr gemeinsam den Zauberspruch aufzusagen. Das mussten sie ganze dreimal machen, als sich der Troll tatsächlich aus den Fängen des Baumes befreien konnte. Dankbar und aufgeregt wollte er sofort die anderen Trolle befreien. Zum Glück erschnüffelte Leon auch recht schnell ihren weiteren Weg.

Unterwegs fanden sie auch die anderen Trolle, die sie auf dieselbe Art und Weise befreien konnten wie den kleinen Troll. Nur von dem Alten fehlte jede Spur. Leon gab sich große Mühe, konnte aber nichts mehr tun. Missmutig machten sie sich auf den Rückweg, die Stimmung war wieder im Keller, alle Fröhlichkeit war verflogen. Als alles verloren schien und die Eltern der Kinder schon die Schlafenszeit ausriefen, hörten sie plötzlich leise Hilferufe. Nach längerem Suchen fanden sie dann auch den alten Troll. Der war schon sehr mit einem großen Baum verwachsen. Sofort machten sich alle dran, ihn zu befreien, aber ihr Zauber brachte nichts. Alle waren schon sehr verzweifelt, als das Einhorn in einer abgelegenen Ecke etwas Glänzendes fand. Einhörner sind sehr gut darin, glänzende Dinge zu finden. Was es fand, war eine golden Gießkanne, gefüllt mit einer seltsam riechenden Flüssigkeit. Natürlich kam ihnen der Gedanke, den großen Baum mit dieser Flüssigkeit zu gießen, aber nichts geschah. Der kleine Troll erinnerte sich an die Geschenke der Zauberwaldbewohner und meint, dass man die in die Flüssigkeit geben sollte. Also kamen die Kräuter und das Stück vom Regenbogen in die Gießkanne und der Baum wurde erneut gegossen, aber wieder geschah nichts. Irgendwann fielen die Blicke Aller auf den Hasen, der noch immer versonnen an einer Möhre knabberte. Mürrisch gab er den Rest in die Flüssigkeit und nach nochmaligem Gießen, löste sich die Umklammerung des Baumes und der alte Troll war frei. Alle jubelten und machten sich schnell auf, ihren Lieben von ihrem Abenteuer und den bestandenen Prüfungen zu berichten. So siegten wieder einmal die Kinder über den Griesgram und es wurde noch ein sehr schöner Abend.

Allerdings bemerkte niemand, dass der Griesgram die ganze Zeit hinter den Kindern herschlich um sich so ihre Tricks abzuschauen. Man kann nur hoffen, dass er daraus keine neuen Gemeinheiten schmieden kann…

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